Vereinigung – aus dem Buch der Geheimnisse

Vereinigung – aus dem Buch der Geheimnisse, Teil I–V

Vereinigung
aus dem Buch der Geheimnisse

Richte zu Beginn der sexuellen Vereinigung alle Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer. Und indem du dies fortsetzt, vermeide die Asche am Ende.

 

Sex kann eine sehr tiefe Erfüllung sein, und Sex kann dich zurückwerfen auf deine Ganzheit, auf dein natürliches, wirkliches Wesen.

 

Aus vielen Gründen. Diese Gründe gilt es zu verstehen.

Einmal: Sex ist ein totaler Akt. Da wirst du aus deinem Denken, deinem Gleichgewicht hinausgeworfen. Darum gibt es soviel Angst vor dem Sex.

 

Du bist mit deinem Denken identifiziert, und Sex ist ein Akt des Nichtdenkens. Du wirst kopflos – du hast bei dem Akt keinen Kopf. Da gibt es kein Räsonieren, da gibt es keinen mentalen Vorgang. Und sollte doch ein mentaler Vorgang da sein, dann findet kein wirklicher, authentischer Sexakt statt. Dann kommt es zu keinem Orgasmus, keiner Erfüllung. Dann wird der Sexakt selbst zu etwas Begrenztem, zur Kopfsache. Und genau zu dem ist er gegenwärtig geworden!

 

Wohin wir schauen –

alles schmachtet, alles ist lüstern nach Sex. Das liegt nicht etwa daran, dass die Gesellschaft sexueller geworden wäre, sondern daran, dass ihr nicht einmal mehr den Sex als totalen Akt genießen könnt. Früher war die Welt sexueller.

 

Darum gab es dieses Schmachten nach Sex damals noch nicht. Dieses Schmachten zeigt, dass das Echte fehlt und nur das Unechte da ist. Das gesamte moderne Denken hat sich nur deswegen sexualisiert, weil es den Sexakt an sich nicht mehr gibt. Selbst der Sexakt ist in den Kopf verlagert worden. Er ist mental geworden: Ihr denkt darüber nach!

 

Viele Leute kommen zu mir und sagen, dass sie immerzu an Sex denken. Sie denken gern daran, lesen und schauen sich Bilder an — Pornographie. Genießen das, aber wenn der tatsächliche Augenblick kommt, wo Sex stattfinden soll, haben sie plötzlich kein Interesse mehr. Sie haben sogar das Gefühl, impotent zu sein. Sie spüren Lebensenergie, wenn sie darüber nachdenken; wenn sie sich auf den tatsächlichen Akt einlassen wollen, ist keine Energie da, nicht einmal Verlangen. Sie haben das Gefühl, der Körper sei abgestorben.

 

Was geht da in ihnen vor?

Sie können nur über Sex nachdenken, aber sie können ihn nicht ausführen; denn dazu wäre ihr ganzes Sein erforderlich. Und wann immer es darauf ankommt, dass sich das Ganze einlässt, spielt der Kopf nicht mehr mit, weil er dann nicht mehr Herr im Hause sein kann, nicht mehr die Kontrolle hat.

 

Tantra nutzt den Sexakt dazu, dich heil und ganz zu machen. Aber dafür musst du dich sehr meditativ auf ihn einlassen. Dafür musst du in ihn hineingehen, indem du alles vergisst, was du je über den Sex gehört hast, gelernt hast — alles, was dir die Gesellschaft, die Kirche, deine Religion, die Lehrer erzählt haben. Vergiss das alles und lass dich in deiner Totalität darauf ein. Vergiss alle Kontrolle! Kontrolle ist die Barriere. Lass dich lieber davon mitreißen; kontrolliere nichts.

 

Geh da so hinein, als wärst du verrückt geworden!

Der Zustand des ,Nichtdenkens` ähnelt dem Wahnsinn. Werde zum Körper, werde zum Tier, denn das Tier ist ganz. Und so, wie der moderne Mensch ist, bietet sich offenbar nur noch der Sex als einfachste Möglichkeit an, euch ganz zu machen; denn der Sex ist das tiefste, das biologische Zentrum in euch. Ihr werdet aus ihm geboren. Jede einzelne Zelle in euch ist eine Sexzelle. Euer ganzer Körper ist ein Phänomen der Sexenergie.

 

Die erste Sutra lautet: Richte zu Beginn der sexuellen Vereinigung alle Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer. Und indem du dies fortsetzt, vermeide die Asche am Ende. Und da liegt der ganze Unterschied.

 

Für euch ist der Sexakt eine Entladung. Wenn ihr also in ihn hineingeht, habt ihr es eilig , wollt ihr nur eines – Entladung. Die überschüssige Energie entlädt sich; danach fühlt ihr euch wohler. Dieses Wohlgefühl ist nur eine Art Schwäche. Überschüssige Energie führt zu Verspannungen, zu Erregung. Ihr fühlt, dass etwas geschehen muss.

 

Wenn sich die Energie abreagiert hat,

fühlt ihr euch schwach. Ihr mögt diese Schwäche für Entspannung halten … Weil die Erregung fort ist, weil die überschüssige Energie fort ist, könnt ihr euch entspannen.

 

Aber diese Entspannung ist eine ungesunde Entspannung; wenn ihr nur dadurch entspannen könnt, dass ihr Energie abstoßt, geschieht dies zu einem sehr hohen Preis. Und diese Entspannung kann nur eine körperliche sein. Sie kann nicht tiefer gehen und kann nicht spirituell werden.

 

Die Sutra besagt, dass wir es nicht eilig haben und nach dem Ende hecheln sollen: Verharre beim Anfang.
Der Sexakt hat zwei Teile – der Anfang und das Ende. Verharre beim Anfang.

 

Der Anfangsteil ist entspannter, wärmer, aber hab es nicht eilig, zum Ende zu kommen. Vergiss das Ende völlig:
Richte zu Beginn der sexuellen Vereinigung alle Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer. Strebe trotz aller überschüssiger Energie nicht gleich zur Entladung; verweile bei dieser überschüssigen Energie.

 

Suche nicht die Ejakulation, vergiss sie völlig. Sei in diesem warmen Beginn ganz. Verweile so bei dem oder der Geliebten, als wärt ihr eins geworden. Stellt einen Kreis her. Es gibt drei Möglichkeiten.

 

Zwei Partner können bei der Vereinigung drei Figuren bilden – geometrische Figuren. Ihr habt vielleicht sogar davon gelesen oder kennt eine alchemistische Abbildung, worauf ein Mann und eine Frau nackt innerhalb von drei geometrischen Figuren stehen.

 

Die erste Figur ist ein Quadrat

die zweite Figur ist ein Dreieck, und die dritte Figur ist ein Kreis. Das ist eine der alten alchemistischen und tantrischen Analysen des Sexaktes. Gewöhnlich sind, wenn ihr euch sexuell vereinigt, vier Personen zugegen, nicht zwei – und das ist ein Quadrat. Es sind vier Winkel da, weil du selbst zweigeteilt bist – in die denkende und in die fühlende Seite.

 

Dein Partner ist ebenfalls zweigeteilt: So seid ihr also vier Personen. Es vereinigen sich nicht etwa zwei Personen, sondern in Wirklichkeit vier Personen. Das ist eine Menge, und so kann es in Wirklichkeit zu keiner tiefen Begegnung kommen. Es sind vier Ecken da, und die Vereinigung ist nur Täuschung.

 

Vielleicht sieht es aus wie eine Vereinigung, ist aber keine. Es kann nicht zur „Kommunion“ kommen, weil deine tiefere Seite verborgen ist, ebenso wie die tiefere Seite deines geliebten Partners. So vereinigen sich nur zwei Köpfe, zwei Denkvorgänge – nicht zwei Fühlvorgänge, die sind verborgen.

Osho  – aus dem Buch der Geheimnisse, Teil I–V

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